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Zusammenfassung
Die Tuberkulose, auch Schwindsucht genannt,
ist eine chronisch verlaufende Infektionskrankheit, die weltweit verbreitet
ist und heutzutage auch in den Industriestaaten durch HIV und Immigration
wieder an Bedeutung gewinnt. Weltweit sterben jährlich fast 2 Millionen
Menschen an Tuberkulose. Schlechter Ernährungszustand, niedere soziale
Verhältnisse und ein geschwächtes Immunsystem begünstigen Infektion und
Erkrankung. Krankheitsauslöser sind Tuberkelbakterien (Mykobakterium
tuberkulosis), die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden.
Kurze Zeit nach der Infektion entsteht die Primärtuberkulose, die durch
einen isolierten Entzündungsherd meist in der Lunge, der sich in der Folge
abkapselt, gekennzeichnet ist. Die Erreger können sich jedoch auch unbemerkt
im Körper ausbreiten und nach vielen Jahren entsteht dann durch
Reaktivierung die Postprimärtuberkulose mit fortschreitender Entzündung in
Lunge, Niere, Knochen oder anderen Organen.
Die Tuberkulose wird ansteckend, wenn ein Entzündungsherd aufbricht und die
Erreger nach außen gelangen. Man spricht dann von einer offenen Tuberkulose,
die dem Gesundheitsamt gemeldet werden muss und einer Isolierung des
Betroffenen bedarf. Die Diagnose wird durch Lungenröntgen und den oft
schwierigen Erregernachweis gestellt. Die Behandlung besteht aus einer
Kombination von mehreren Medikamenten, die das Wachstum der Bakterien
hemmen, sog. Tuberkulostatika, und muss konsequent über neun Monate
durchgeführt werden. Die Möglichkeit einer Schutzimpfung wird derzeit nur
für Risikogruppen empfohlen.
Definition
Die Tuberkulose ist eine chronische, in zwei
Stadien verlaufende Infektionskrankheit.
Man unterscheidet:
-
Primärtuberkulose: Das sind alle Krankheitserscheinungen im Rahmen der
Erstinfektion mit Tuberkulosebakterien.
-
Postprimärtuberkulose: Das sind isolierte Organtuberkulose nach
durchgemachter Primärtuberkulose, auch Reaktivierungskrankheit genannt.
Erreger
In den meisten Fällen ist der Erreger das Mykobakterium
tuberkulosis, selten (0,1% aller Tuberkulose-Infektionen) auch das
Mykobakterium bovis, das hauptsächlich von Rindern auf den Menschen
übertragen wird (Milchinfektion).
Beide Mykobakterien sind unbewegliche, säurefeste Stäbchenbakterien.
Bei intaktem Immunsystem erkranken nur ca. 3% der Infizierten an
Tuberkulose, bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem (AIDS- und
immunsupprimierte Patienten, Alkohol- und Drogenkranke) erhöht sich die Zahl
der Erkrankten dagegen drastisch.

Übertragung
Gelangen Bakterien aus dem Organismus von Erkrankten nach
außen, spricht man von der "offenen Tuberkulose". Die Ausscheidung erfolgt
je nach Lokalisation mit Hustenauswurf (Sputum, Lungentuberkulose) oder
Magensaft, Urin (Harnwegstuberkulose) oder Stuhl (Darmtuberkulose).
Die Infektion erfolgt meist durch Kontakt mit Erkrankten, die an offener TB
leiden, und zwar überwiegend mittels Tröpfcheninfektion, d.h. durch
Sprechen, Niesen oder Husten.
Menschen mit offener Tuberkulose müssen frühzeitig erfasst und wenn nötig
isoliert werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Die Inkubationszeit
beträgt ca. 4-6 Wochen.
Symptome
Das Stadium der Primärtuberkulose, in dem
ca. 50% der Erstinfektionen zum Stillstand kommen, verursacht meist kaum
oder nur sehr untypische Beschwerden wie leichte Temperaturerhöhung, Husten,
Nachtschweiß oder Appetitlosigkeit.
Ausgehend vom Primärkomplex können sich insbesondere bei Patienten mit
geschwächtem Immunsystem auch noch folgende andere Krankheitsbilder
entwickeln:
bei Ausbreitung der Tuberkulosebakterien auf dem Lymphwege in weiter
entfernte Lymphknoten des Brustkorbes: die sog.
Hiluslymphknoten-Tuberkulose. Dadurch können Bronchien abgedrückt und damit
Teile der Lunge minderbelüftet werden.
bei Mitbeteiligung des Rippenfells (Pleura) an der Entzündungsreaktion des
Primärkomplexes: Die Pleuritis Exsudativa, die so genannte "nasse"
Rippenfellentzündung, die durch Flüssigkeitsansammlung in der Lunge
Atembeschwerden hervorrufen kann.
bei Ausbreitung der Tuberkulosebakterien auf dem Blutwege: Streuung in
andere Organe und Bildung kleinster Herde, die zwar gar keine Beschwerden
bereiten, aber aufgrund der in ihnen enthaltenen Erreger später eventuell
zum Ausgangspunkt einer Postprimärtuberkulose werden können. Bei schlechter
Abwehrlage des Patienten und großer Erregeranzahl entstehen viele Herde in
verschiedenen Organen. Dabei unterscheidet man u.a. die Miliartuberkulose
mit vielen Herden in der Lunge, die sich im Röntgenbild als "Schneegestöber"
darstellen und die Meningitis tuberculosa, eine durch die Tuberkulose-Herde
ausgelöste Hirnhautentzündung.
Diagnose
Da die Symptomatik der Tuberkulose doch
eher uncharakteristisch ist, wobei es in 10% der Fälle gar keine Beschwerden
gibt, sind Fehldiagnosen relativ häufig.
Erste Hinweise auf eine Tuberkuloseerkrankung geben die Krankengeschichte,
wie Erkrankungen in der Familie oder der näheren Umgebung,
abwehrgeschwächter Körper aufgrund anderer Erkrankungen, die momentanen
Beschwerden (leicht erhöhte Temperaturen, Nachtschweiß, Gewichtsverlust,
Husten) sowie Röntgenaufnahmen. Die endgültige Diagnose lässt sich nur durch
den klinisch chemischen Nachweis des Erregers erbringen.
Als Untersuchungsmaterial werden je nach vermuteter Lokalisation
Hustenauswurf, Magensaft, Bronchialsekret oder Urin verwendet. Mit Hilfe
spezieller Färbungen (Ziehl-Neelsen, Fluoreszenz-Färbung), wird das Material
erst mikroskopisch auf Tuberkulosebakterien untersucht, gleichzeitig wird
eine Bakterienkultur angelegt, da bei einer geringen Erregerkonzentration
die Mikroskopie wenig zuverlässig ist.
Therapie
Jede aktive Tuberkulose muss behandelt werden.
Offene Tuberkulosen werden anfänglich sogar stationär behandelt.
Die Behandlung erfolgt gegen die Symptome mit
Antitussiva, also Medikamenten, die den Hustenreiz unterdrücken, Alkohol-
und Rauchverbot, sowie Behandlung abwehrschwächender Begleiterkrankungen, um
den Körper zu stärken.
Der Tuberkuloseerreger selbst wird, um einer
Resistenzentwicklung des Bakteriums gegen einen Wirkstoff vorzubeugen, mit
einer Kombination aus folgenden Medikamenten bekämpft:
- Isoniazid
- Rifampicin
- Ethambutol
- Streptomycin
- Pyrazinamid
Die Standardtherapie wird über einen Zeitraum
von ca. 9 Monaten durchgeführt, anschließend wird der Patient bei
komplikationslosem Verlauf zwei Jahre lang überwacht. Wie erwähnt, kann ein
verfrühter Abbruch der Therapie zu resistenten Erregerstämmen führen. Bei
einem erneuten Krankheitsausbruch sind die verwendeten Medikamente dann
nicht mehr wirksam. Dies gilt auch für Personen, die danach von dieser
Person infiziert wurden. Um die Seuche auch in den Entwicklungs- und
Schwellenländern wirksam bekämpfen zu können, setzt die WHO (Welt
Gesundheits Organisation) deshalb seit 1992 auf eine Strategie namens DOTS.
Dies ist die Abkürzung für Directly Observed Treatment Short Course. Dabei
muss der Patient bis zur Gesundung seine Medikamente unter ständiger
Aufsicht nehmen. Leider werden zur Zeit weltweit nur ca. 10% der Erkrankten
nach diesem Schema behandelt. Kriege, fehlende medizinische Infrastrukturen,
ärztliche Unkenntnis, Korruption und vor allem natürlich Geldmangel sind die
wesentlichen Gründe dafür.
Prophylaxe
Neben der Maßnahme der Erfassung und ggf.
Isolierung von an offener TB erkrankten Menschen ist eine Schutzimpfung, die
so genannte BCG- Impfung (Bacille-Calmette-Guerin), verfügbar.
Diese Impfung kann jedoch nicht einer Infektion mit Tuberkulosebakterien
vorbeugen, sondern lediglich die Bildung spezieller Abwehrzellen bewirken.
Damit sinkt das Erkrankungsrisiko bzw. die Komplikationsrate. Die
BCG-Schutzimpfung wird unter anderem folgenden Personengruppen empfohlen:
Säuglinge und Kinder, die in einem Gebiet mit hohem TB-Risiko leben, bzw.
deren Eltern aus solchen Gebieten kommen.
Kinder bei geplanter Ausschaltung des Immunsystems bei bestimmten Therapien,
wie z.B. von Leukämie oder schwerer Neurodermitis.
Geschwister und Eltern der genannten Personen.
Personal im Gesundheitsdienst, vor allem in den Bereichen Kinderheilkunde,
Schwangeren- und Immunschwächenbetreuung.
Personal in Kinder betreuenden Einrichtungen.
Vor jeder Impfung muss ein Tuberkulintest durchgeführt werden, um die
Reaktivierung eines Herdes bei bereits Infizierten durch den Impfstoff zu
vermeiden. Für den Tuberkulintest wird ein Bestandteil des abgetöteten
Bakteriums, das Tuberkulin, in kleinsten Mengen in die Haut injiziert.
Zeigt sich innerhalb der folgenden 24-72 Stunden eine Schwellung mit Rötung
von über 6mm Durchmesser ist der Test positiv, was auf eine Infektion mit
Tuberkulosebakterien, aber auch auf eine durchgeführte BCG-Schutzimpfung
hinweisen kann. Ein Infektionsverdacht besteht bei sehr starker Testreaktion
(z.B. großer Entzündungshof von über 13mm Durchmesser), bei einer positiven
Kontrolluntersuchung einer zuvor negativ getesteten ungeimpften Person und
bei jedem positiven Testergebnis eines ungeimpften Kindes unter 5 Jahren.
Der Impferfolg wird 3 Monaten nach der BCG-Schutzimpfung ebenfalls mittels
des Tuberkulintests überprüft. Bei über 90% der Geimpften ist mit einem
positiven Test zu rechnen, der in 3-5 Jahren allmähliche negativ wird. Der
mittels BCG-Impfung erreichbare Impfschutz hält jedoch lebenslang an.
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